Freizeit- und Wohngestaltung


Wie können die Schülerinnen und Schüler mit einem besonderen Entwicklungsbedarf wichtige Schlüsselkompetenzen entwickeln, damit sie zu mehr Selbstbestimmung finden und ihre Teilhabe am Leben der Gesellschaft selbstständiger gestalten können?

 

Diese Fragestellung führte an unserer Schule zum Projekt „Wohn- und Freizeitgestaltung“ und konnte, durch die erste Wohnungsmiete in der Genossenschaft „Schönheim“, seit 2012 realisiert werden.

Der individuelle Lebensentwurf wird von den Jugendlichen in der Phase des Übergangs von der Schule in die Erwachsenen- und Arbeitswelt gelegt; meistens wird eine Berufslehre ergriffen und die Wohnform evaluiert. Der Wechsel in eine Wohngemeinschaft oder in eine neu gewählte Wohnform ist für die Menschen mit einer Behinderung oft mit Unsicherheiten verbunden.

Die Jugendlichen im Alter von 16 bis 20 Jahren, welche ein Leben „ausserhalb der gewohnten Umgebung“ ausprobieren möchten, haben die Möglichkeit im Projekt „Freizeit- und Wohngestaltung“ möglichst reale Erfahrungen zu sammeln.

 

Im Bereich „Wohngestaltung“ lernen die Jugendlichen während der Unterrichtszeit den Haushalt zu führen, das Kochen und sich mit lebenspraktischen Themen auseinander zu setzen.

Der Einkauf ist ein wichtiges Lernfeld in Bezug auf die Menüplanung, den saisongerechten Einkauf und den Umgang mit Geld. Dieser Lernprozess begünstigt das Erlangen von einer grösseren Selbstständigkeit und Selbstsicherheit.
Vor dem Einkauf in einem Lebensmittelgeschäft ist das Schreiben eines Einkaufszettel notwendig. Im Laden selber gilt es sich zurecht zu finden und allenfalls beim Verkaufspersonal um Hilfe zu bitten. Das Zahlen an der Kasse stellt oftmals eine Herausforderung dar, die es zu bewältigen gilt.

Was gibt es schöneres als anschliessend zu kochen? Dies geschieht mit Stolz und Freude. Bis alles auf dem Tisch steht, beginnt der Magen so richtig zu knurren. Ja im „Hotel Mama“ steht das Essen einfach auf dem Tisch.

Selbstverständlich muss nach dem Essen auch alles wieder in Ordnung gebracht werden. Das Abwaschen gehört da genau so dazu, wie das Beseitigen der leeren Gebinde. Dabei lernen sie wie das „Recycling“ funktioniert, sie lernen den Abfall zu trennen und sie werden in die Systematik der Recyclingstellen eingeführt.
„Wie kommt nur immer die saubere Wäsche in meinen Schrank“? Ja genau, so geht es:  Da muss das Etikett der Wäsche, die Mengenangaben des Waschmittels gelesen werden, damit die Dosierung stimmt. Die Wäsche getrocknet oder aufgehängt werden, dann gebügelt, gefaltet und in den Schrank versorgt werden.

Um die Wohnung sauber zu halten, lernen sie das Putzen, angefangen bei ihrem eigenen Zimmer bis hin zu den Räumen, welche gemeinsam genutzt werden.

Das Gestalten der Wohnräume ist ein wichtiges Element. Was brauchen die Jugendlichen, damit sie sich in den Räumen wohl fühlen?

Dieser Frage wird nachgegangen und dann beginnt das Gestalten.

Im Frühling sollen uns die Blumenzwiebeln die wir im Herbst gesetzt haben erfreuen. Die grosse schöne Terrasse erlaubt uns Kräuter und anderes mehr zu pflanzen. Schon oft haben wir auf der Terrasse genüssliche Momente erlebt  und feine Mahlzeiten zu uns genommen.
Die Jugendlichen lernen durch die Routine der täglich wiederkehrenden Handlung ihre Kompetenz, im unmittelbar gestaltetem Alltag zu erweitern. Diese erworbenen Fähigkeiten werden den Jugendlichen in ihrem jetzigen und späteren Lebensumfeld dienlich sein und es wird sich ein neues Verantwortungsbewusstsein für das eigene Tun entwickeln.

Bei der Freizeitgestaltung können die Jugendlichen 1 bis 2 Abende und Nächte pro Woche in der Schulwohnung verbringen. Einmal im Monat treffen sie sich schon am Sonntagnachmittag und gestalten in Begleitung gemeinsam die Freizeit

Es ist uns ein Anliegen, dass die jungen Menschen lernen, sich in öffentlichen Räumen frei zu bewegen und so am gesellschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben teilzunehmen. Ebenso im Erlernen sich im öffentlichen Verkehr zurecht zu finden

Individuelle und/oder gemeinsame Alltags- und Freizeitgestaltung

Die Schulwohnung ermöglicht den Jugendlichen, in einer geschützten Atmosphäre Neues zu entdecken und Selbstreflexion zu üben. Ihrem Bedürfnis, die Welt entdecken zu wollen und sich stärker im gesellschaftlichen Leben zu verankern kann dadurch Rechnung getragen werden.

Wir haben  in den jeweiligen Wohnungen den nachbarlichen Umgang immer sehr geschätzt und gepflegt. Einerseits kam es zu spontanen Begegnungen mit den Nachbarn im Treppenhaus, anderseits suchte man bewusst den Kontakt.....und fehlte mal ein Ei, ging man beim Nachbarn um eines bitten. Ein nächstes Mal brachte man natürlich nicht nur das Ei zurück, sondern es wurde gleich ein Teil vom Gebäck mitgeliefert, welches sicherlich gemundet hat.