Oberstufe

Die Schüler sind inzwischen zu einer starken Klassengemeinschaft zusammengewachsen. Die «alte Schule» ist manchmal fast nebensächlich, die Freizeit will gestaltet, besprochen und viel «Ausserschulisches» muss verarbeitet werden.

Die Zukunft wird zum Thema.

Die Jugendlichen werden ihren Möglichkeiten und Fragen entsprechend, an Schwerpunktthemen aus folgenden Fächern herangeführt: Menschenkunde, Tierkunde, Pflanzenkunde, Mineralogie, Geografie, Geschichte, Physik, Chemie. Diese Fächer werden aber nicht isoliert wissenschaftlich betrachtet, sondern immer in direktem Bezug zu den Jugendlichen selber. Sie sollen die starke Beziehung von sich zur Welt erfahren, erleben und verstehen können. Sie müssen den Stoff mit ihrem eigenen Wesen durchdringen, damit sie ein individuelles Erlebnis haben, dass sie den Stoff vertiefen können.

Die Schüler sind inzwischen zu einer starken Klassengemeinschaft zusammengewachsen. Die “Schule” ist manchmal fast nebensächlich, die Freizeit will gestaltet, besprochen und viel “Ausserschulisches” verarbeitet werden. Jeder kennt jeden ganz genau, bekommt ja auch im Anderen täglich ein Stück weit selbst einen Spiegel vorgehalten … aber wie kennt jeder sich selbst?

Fragen zur eigenen Zukunft, die bislang mehr die Eltern und die Lehrerin sich für die Schüler stellten, drängen nun aus den Jugendlichen heraus. Eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Schicksal findet statt, bei jedem seinen Möglichkeiten entsprechend. Wünsche und Träume werden nach und nach an der Realität gemessen. Erste Erfahrungen mit der Berufsberatung und eventuell mit Betrieben, in denen schon geschnuppert werden kann, werden gesammelt, vorbereitet, begleitet und verarbeitet mit der Fachperson für Berufsintegration.

Wie kann, wie muss unsere “Schule” da sein und wirken?

Wer bin ich? Wie siehst du mich, wie kann ich mich sehen? Was wird aus mir werden? All diese Fragen leiten auch die Wahl der Epochenthemen.

“Welt” will vielfältig an die Jugendlichen herangebracht werden, sodass sie sie und sich darin verstehen können. Die Entdeckungen und Eroberungen am Beginn der Neuzeit sind zum Beispiel ein willkommenes Thema, das ständig auch den Einbezug der heutigen Lebensrealität der Jugendlichen ermöglicht. Oder Biografien, Schicksale von Menschen vor uns oder neben uns, lebendig geschildert und gemeinsam betrachtet: An denen lernt jeder sich selbst (er-) kennen.

Dann ist wesentlich das gemeinsame Gespräch: in der ganzen Klasse, mit dem einzelnen Schüler, mit Eltern und Schülern. Überall geht es primär auf immer wieder andere Art darum, dass der Schüler sich ernst- und wahrgenommen fühlt und darüber sich selbst finden kann. Unser wertschätzender Blick, unser Zuhören oder ins Gespräch Einbeziehen, unsere Zuversicht und damit unser Schutz sind stark gefragt als wahrhafte Ermutigung. Und daneben wieder die Diskretion: Wir können nur vielfältig anregen und dann begleiten, was im Schüler werden will und nicht mehr für ihn etwas Bestimmtes wollen.

Neben diesen Zukunftsfragen ist im 8. und gerade im 9. Schuljahr für viele Schüler auch das Lernen selbst, das sich Üben und sich Fähigkeiten erarbeiten oftmals neu als wichtiger Inhalt erlebbar. Neue Möglichkeiten tun sich plötzlich noch einmal auf, was die Kulturtechniken betrifft und wollen gefordert und erweitert werden. Ein ganz neuer Ehrgeiz und eine neue Kraft zu arbeiten, sich auf etwas einzulassen erfreut manchen Schüler, die Lehrerin und die Eltern.

Den Unterricht so zu pflegen, dass die Freude am lernen ein Leben lang anhalten möge, dass über die Schulzeit hinaus eine Begeisterung lebendig bleibt im Schüler, sich auf immer Neues einzulassen, ist wesentlicher Auftrag der Schule in diesem Alter.