Lernwohnung

Wie können die Schülerinnen und Schüler mit einem besonderen Entwicklungsbedarf wichtige Schlüsselkompetenzen entwickeln, damit sie zu mehr Selbstbestimmung finden und ihre Teilhabe am Leben der Gesellschaft selbstständiger gestalten können?


Diese Fragestellung führte an unserer Schule zum Projekt „Wohn- und Freizeitgestaltung“ und konnte, durch die erste Wohnungsmiete in der Genossenschaft „Schönheim“, seit 2012 realisiert werden.

Der individuelle Lebensentwurf wird von den Jugendlichen in der Phase des Übergangs von der Schule in die Erwachsenen- und Arbeitswelt gelegt; meistens wird eine Berufslehre ergriffen und die Wohnform evaluiert. Der Wechsel in eine Wohngemeinschaft oder in eine neu gewählte Wohnform ist für die Menschen mit einer Behinderung oft mit Unsicherheiten verbunden.

Die Jugendlichen im Alter von 15 bis 20 Jahren, welche ein Leben „ausserhalb der gewohnten Umgebung“ ausprobieren möchten, haben die Möglichkeit im Projekt „Freizeit- und Wohngestaltung“ möglichst reale Erfahrungen zu sammeln.

Im Bereich „Wohngestaltung“ lernen die Jugendlichen während der Unterrichtszeit den Haushalt zu führen, das Kochen und sich mit lebenspraktischen Themen auseinander zu setzen.

Der Einkauf ist ein wichtiges Lernfeld in Bezug auf die Menüplanung, den saisongerechten Einkauf und den Umgang mit Geld. Dieser Lernprozess begünstigt das Erlangen von einer grösseren Selbstständigkeit und Selbstsicherheit. 

Der Einkauf mit dem Einkaufszettel will geübt sein

Vor dem Einkauf in einem Lebensmittelgeschäft ist das Schreiben eines Einkaufszettel notwendig. Im Laden selber gilt es sich zurecht zu finden und allenfalls beim Verkaufspersonal um Hilfe zu bitten. Das Zahlen an der Kasse stellt oftmals eine Herausforderung dar, die es zu bewältigen gilt.

Die Einkaufslisten werden je nach Möglichkeiten unterschiedlich angefertigt
Der Einkauf wird von der Menü Auswahl bis zum Einkaufszettel schreiben geplant
Ein Einkaufszettel in leichter Sprache
Genaues abrechnen will geübt sein

Was gibt es schöneres als anschliessend zu kochen? Dies geschieht mit Stolz und Freude. Bis alles auf dem Tisch steht, beginnt der Magen so richtig zu knurren. Ja im „Hotel Elternhaus“ steht das Essen einfach auf dem Tisch.

Selber gebackenes Brot schmeckt am besten
Der feine Kuchen wird gekonnt in die Form gepackt

Das Kochen für Nachbarn und ein gemeinsames Essen ist ein besonderes Erlebnis.

Das Essen wird gemeinsam im Garten genossen
Wir kochten im Schopf Hochneun für Bewohner im Albisriederdörfli

Selbstverständlich muss nach dem Essen auch alles wieder in Ordnung gebracht werden. Das Abwaschen gehört da genau so dazu, wie das Beseitigen der leeren Gebinde. Dabei lernen sie wie das „Recycling“ funktioniert, sie lernen den Abfall zu trennen und sie werden in die Systematik der Recyclingstellen eingeführt.

Eine Pfanne kann auch mal eine Gitarre sein 😉

„Wie kommt nur immer die saubere Wäsche in meinen Schrank“? Ja genau, so geht es:  Da muss das Etikett der Wäsche gelesen, die Mengenangaben des Waschmittels bestimmen, damit die Dosierung passt. Die Wäsche getrocknet oder aufgehängt, dann gebügelt, gefaltet und in den Schrank versorgt. 

Das sortieren ist eine richtige Aktion…

Um die Wohnung sauber zu halten, lernen sie das Putzen, angefangen bei ihrem eigenen Zimmer bis hin zu den Räumen, welche gemeinsam genutzt werden.

Das Gestalten der Wohnräume ist ein wichtiges Element. Was brauchen die Jugendlichen, damit sie sich in den Räumen wohl fühlen?

Dieser Frage wird nachgegangen und dann beginnt das Gestalten.

Die Jahreszeiten Dekorationen werden selber angefertigt
Die Zimmer werden persönlich gestaltet

Im Frühling sollen uns die Blumenzwiebeln die wir im Herbst gesetzt haben erfreuen. Die grosse schöne Terrasse erlaubt uns Kräuter und anderes mehr zu pflanzen. Schon oft haben wir auf der Terrasse genüssliche Momente erlebt  und feine Mahlzeiten zu uns genommen. 

Die Jugendlichen lernen durch die Routine der täglich wiederkehrenden Handlung ihre Kompetenz, im unmittelbar gestaltetem Alltag zu erweitern. Diese erworbenen Fähigkeiten werden den Jugendlichen in ihrem jetzigen und späteren Lebensumfeld dienlich sein und es wird sich ein neues Verantwortungsbewusstsein für das eigene Tun entwickeln.

Bei der Freizeitgestaltung können die Jugendlichen 1 bis 2 Abende und Nächte pro Woche in der Lernwohnung verbringen. Einmal im Monat treffen sie sich schon am Sonntagnachmittag und gestalten in Begleitung gemeinsam die Freizeit

Es ist uns ein Anliegen, dass die jungen Menschen lernen, sich in öffentlichen Räumen frei zu bewegen und so am gesellschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben teilzunehmen. Ebenso im Erlernen sich im öffentlichen Verkehr zurecht zu finden 

Individuelle und/oder gemeinsame Alltags- und Freizeitgestaltung 

der geplante Ausflug findet nun auch statt und wird sehr genossen
Wir feiern eine Party im GZ-Bachwiesen
Wir übten uns im Minigolf

Die Schulwohnung ermöglicht den Jugendlichen, in einer geschützten Atmosphäre Neues zu entdecken und Selbstreflexion zu üben. Ihrem Bedürfnis, die Welt entdecken zu wollen und sich stärker im gesellschaftlichen Leben zu verankern kann dadurch Rechnung getragen werden. 

Wir haben  in den jeweiligen Wohnungen den nachbarlichen Umgang immer sehr geschätzt und gepflegt. Einerseits kam es zu spontanen Begegnungen mit den Nachbarn im Treppenhaus, anderseits suchte man bewusst den Kontakt…..und fehlte mal ein Ei, ging man beim Nachbarn um eines bitten. Ein nächstes Mal brachte man natürlich nicht nur das Ei zurück, sondern es wurde gleich ein Teil vom Gebäck mitgeliefert, welches sicherlich gemundet hat.


Ein schöner Bericht über unsere Lernwohnung finden Sie unter dem folgenden Link:

Mitten unter uns

oder als Download:


Unsere Lernwohnung findet auch Einzug in den Aktionsplan UN-BRK (UN Behinderten Rechts Konvention) als gutes Beispiel. Unter folgendem Link kommen Sie direkt auf die entsprechende Seite:

Gutes Beispiel UN-BRK

Einen Bilder- und Textrückblick über die letzten Jahre finden Sie unter folgendem Link:
Bilder und Texte